
Okay, Hand aufs Herz. Noch ein Limited-Edition-Ardbeg ohne Age Statement für 90€ und mehr? Der Hype-Train bleibt wenn ich mir die Verfügbarkeit dieser Abfüllung so anschaue derzeit im Lokschuppen stehen. Klar, einige Fans und unbelehrbare Genießer schlagen wie gewohnt zu und die Fasskombination spricht auch den ein oder anderen an, der vielleicht in letzter Zeit zurückhaltender geworden ist, was Whiskykäufe im allgemeinen und natürlich speziell Ardbeg Releases angeht.
Und trotzdem…
ich sitze hier, Glas in der Hand und grinse wie ein Idiot. Marsala-Dolce-Fässer aus Sizilien treffen Bourbon-Casks. Aprikosenmarmelade, Orange, eine Prise schwarzer Pfeffer, dunkle Schokolade, getrocknete Früchte und geröstete Nüsse tanzen Tarantella mit dem klassisch-süßen Ardbeg-Rauch, der salzigen Meeresbrise und etwas Tabak.
Der Rauch ist da…klar, sonst wäre es kein Ardbeg, aber er ist geschmeidig, wenn nicht sogar elegant. Kein Tiefschlag eines Rookies, eher ein cleverer Boxer im italienischen Anzug, mit gezielten Wirkungstreffern.
Kritisch gesehen:
Manche werden meckern, dass die Intensität etwas fehlt. Dass man hier nicht sofort die typische Ardbeg-Bombe bekommt. Dass es „zu süß“ oder „zu zugänglich“ sein könnte. Aber genau das macht den Spaß. Ein bisschen wie ein schottischer Auswanderer, der nun in seinem sizilianischen Innenhof sitzt, die Sonne und das leichte Leben genießt und trotzdem nie vergisst, woher er kommt. Die Balance ist sehr gut. Der Abgang lang, ölig und leicht herb, mit rauchigem Kompott und erloschener Glut. Und bei 47,8 % ABV trinkt er sich tatsächlich wunderbar und macht Spaß.

Fazit?
Ja, der Marketing-Circus nervt mich oft enorm, aber dieser Whisky…Der hat mich. Richtig! Mit großer, ehrlicher Freude.

